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Das WM-Fieber ist noch immer nicht abgeflaut und Deutschland feiert und jubelt bei endlich mal schönem Wetter. Nach den letzten Wochen mit Regen und Schafskälte eine willkommene Abwechslung.

Nicht nur die Stimmung der Menschen steigt aufgrund des guten Wetters, sondern auch die Prognosen der Wirtschaftsfachleute. Die korrigieren ein um das andere Mal die Prognosen hinsichtlich des Wirtschaftswachstums nach oben. In gleichem Maße hat sich unser Finanzminister herabgelassen, weniger Schulden zu machen, so das das Sparpaket der Regierung um 20 Milliarden entlastet wird. Gratuliere, das gibt auf jeden Fall mal ein Fleißbienchen ins Heft. Das, so könnte man meinen, wäre ein recht guter Anlass, das Sparpaket noch einmal zu überarbeiten. Wie das bei Menschen aber so ist: Wir sind faul und wenn wir eine Arbeit geschafft haben, dann werden wir sie nicht noch einmal in die Hand nehmen, nur um was gerade zu rücken. Es könnte ja schließlich weitere Arbeit bedeuten. Macht man wieder was nicht so, wie es die ein oder andere Lobby wünscht, gibt es auch wieder was auf die Finger. Also lieber nichts mehr machen und warten, bis die Wut verraucht ist.

Die amtierende Regierung stellt sich gerade eine interessante Frage: Warum sind wir eigentlich so unbeliebt? Die Arbeitslosenzahlen gehen zurück, das Sparpaket ist geschnürt und wird sogar aufgrund der brummenden Wirtschaft niedriger ausfallen als gedacht. Gut, wir zicken uns gegenseitig ordentlich an. Aber in einer guten Ehe gibt es auch Streit, das muss doch erlaubt sein?! Warum also fallen unsere Umfragewerte immer mehr und mehr? Meine Antwort kommt promt: Erstens interessieren sich die Menschen gerade nur für Fußball. Zweitens ist draußen schönes Wetter und drittens interessiert eh keinen mehr, was ihr da macht, solange ihr uns damit in Ruhe lasst. Und außerdem: Es ist sehr vermessen sich das Wirtschaftswachstum auf die Fahne zu schreiben und sich dadurch profilieren zu wollen. Das grenzt schon fast an Ironie. Die Menschen in diesem Land machen das Wachstum durch ihrer Hände Arbeit und sicher nicht eine Regierung, die so ziemlich alles vermurkst was sie anfängt.

Leider ist das alles nicht so einfach wie es scheint. Die Auswirkungen des sparens und der hohen Schuldenlast werden alsbald deutlicher zu spüren sein. Kindergartenplätze werden teurer, die Mehrwertsteuer wird sicher steigen, oder es werden zumindest ermäßigte Sätze gestrichen. Natürlich nicht bei den Hotels, denn die haben eine starke Lobby in der Regierung.

Wen interessieren schon Steuerpakete und Ölpest. Das sind schmutzige Themen, mit denen sich Leute befassen sollen, die dafür bezahlt werden. Wir jubeln lieber weiter, bis dann irgendwann das nüchterne Erwachen kommt und die Menschen merken, dass man Geld nicht essen und ölverschmutztes Wasser nicht trinken kann. Im Augenblick gehen leider jegliche kritische Stimmen im Jubel unter. Ist der mal abgeebbt fragen sich die Leute dann: Hätten die uns das nicht vorher sagen können? Haben wir, aber keiner hat zugehört. Sagte ich schon mal, dass die WM ein sehr, wenn auch profanes Mittel ist, Aktionen wie das vermurkste Sparpaket zu verschleiern?

Es kann doch wirklich nicht so schwer sein, ein Bohrloch zu stopfen. Wir fliegen ins All, simulieren den Urknall und bauen Gebäude die an den Wolken kratzen. Es kann doch nicht so schwer sein, in einem Land mit beinnahe einer Million Millionären mal ein gescheites und gerechtes Steuerpaket zu schnüren. Im Übrigen wäre es so langsam aber sicher mal an der Zeit, eine Reform des Rentensystems anzugehen. Es kann nicht sein, dass die Rentner eine Nullrunde bekommen, während die Reallöhne sinken. Eigentlich hätten die Renten auch sinken müssen. Das belastet den Steuerzahler um weitere 5 Milliarden, also eure Einsparung von 20 Milliarden wird wieder kleiner. Tipp von mir: Organisiert hunderte Kaffeefahrten, damit die Rentner beschäftigt sind und reformiert in der Zeit das System. Merkt sicher keiner.

Manches Mal muss ich mich wirklich fragen, für wie blöd uns diese oberen Zehntausend eigentlich halten. Die Antwort hierauf bleibe ich lieber schuldig, denn sie fällt keineswegs zu unseren Gunsten aus.

In diesem Sinne nachdenkliche WM-Grüße

Euer Michael Grett

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Geschrieben von: Thorsten Polenz V.i.s.P.   
2010/07/01 07:23:50



 

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